„Disziplin ist brutal, doch Reue wird dich zerbrechen."
Von der Kampfkunst zur Lebenskunst: Wenn Disziplin Brücken baut
Mit 18 Jahren, kurz vor der Bundeswehr, war die Welt noch eine andere. Kickboxen und Taekwondo prägten die Tage – nicht nur als Sport, sondern als Schule fürs Leben. Das Foto zeigt einen Moment purer Konzentration: zwei junge Männer im Garten, barfuß auf der Wiese, in perfekter Technik. Was damals nach außen wie ein Kick aussah, war innen vor allem eins: Disziplin.
Heute, fast vier Jahrzehnte später, hat sich vieles verändert – aber die Essenz ist geblieben. Ein Satz bringt es auf den Punkt: „Disziplin ist brutal, doch Reue wird dich zerbrechen." Ein Satz, der damals wie heute gilt.
Der Kampf geht weiter – nur die Arena hat sich verändert
Die großen Trainingszeiten im Dojang sind vorbei. Stattdessen: das kleine Gym zuhause, sporadische Fahrten zu den alten Kampfsportkollegen nach Erlangen, wenn es die Zeit erlaubt. Nicht mehr die tägliche Routine von früher, sondern ein eigener Rhythmus – einer, der zum Leben passt, wie es heute ist.
Und genau hier zeigt sich die wahre Transformation: Der härteste Gegner steht nicht mehr auf der Matte. Er sitzt auf dem Sofa. Sein Name ist Bequemlichkeit.
Die Evolution der Disziplin
Was die Kampfkunst in jungen Jahren lehrte, lässt sich erstaunlich leicht ins Alter transformieren – wenn man bereit ist, den Kampf weiterzuführen:
Aus täglichem Training wird bewusste Entscheidung: Es geht nicht mehr um den perfekten Trainingsplan, sondern darum, überhaupt aufzustehen. Heute zählt nicht die Häufigkeit, sondern die Beständigkeit im eigenen Rhythmus.
Aus technischer Perfektion wird innere Haltung: Die Hunderte Wiederholungen einer Technik schulten damals den Körper. Heute schulen sie die Geisteshaltung: Dranbleiben, auch wenn's unbequem wird.
Aus Respekt vor dem Gegner wird Ehrlichkeit zu sich selbst: Der Trainingspartner von früher ist heute der innere Schweinehund. Und der kennt jede unserer Ausreden.
Der wahre Gegner trägt Hausschuhe
Wer mit 57 noch gelegentlich nach Erlangen zu den alten Kollegen fährt oder im heimischen Gym schwitzt, der weiß: Der härteste Kampf findet nicht im Ring statt. Er findet jeden Morgen statt, wenn die Entscheidung ansteht: Trainieren oder Netflix? Bewegung oder Bequemlichkeit? Disziplin oder Ausrede?
Und genau das ist die Botschaft für uns alle – egal ob 25, 45 oder 65:
Die Tugenden, die wir in der Jugend entwickeln, sind nicht verloren. Sie transformieren sich.
- Der Hochkick von damals ist heute der Schritt auf die Trainingsmatte trotz voller Terminkalender.
- Die schweißtreibenden Stunden im Dojang sind heute die 20 Minuten im eigenen Gym, die wir uns abringen.
- Die Wettkämpfe von früher sind heute die täglichen Siege über unsere innere Trägheit.
Das Geschenk der Kontinuität
Es geht nicht um Perfektion. Es geht nicht darum, mit 57 noch zu kämpfen wie mit 18. Es geht um etwas viel Wertvolleres: Die Erkenntnis, dass Disziplin keine Lebensphase ist, sondern eine Lebenshaltung.
Dass die gelegentliche Fahrt nach Erlangen zu den alten Kollegen kein nostalgisches Ritual ist, sondern ein Statement: Ich bin noch da. Ich gebe nicht auf. Ich kämpfe weiter – nur die Form hat sich verändert.
Dass das kleine Gym zuhause kein armseliger Ersatz ist, sondern ein Ort der Selbstehrlichkeit: Hier, zwischen den eigenen vier Wänden, entscheidet sich, wer wir wirklich sind.
Die Einladung
Vielleicht hattest auch du mal eine Leidenschaft – Sport, Musik, Handwerk, was auch immer. Vielleicht liegt sie brach, weil das Leben dazwischenkam. Weil die Zeit knapp wurde. Weil die Ausreden lauter wurden als die innere Stimme.
Die gute Nachricht: Es ist nie zu spät, den Kampf wieder aufzunehmen. Nicht in der Form von früher – aber in der Form, die heute passt. Im eigenen Rhythmus. Mit der Ehrlichkeit, dass es nicht perfekt sein muss. Mit der Erkenntnis, dass schon der Versuch ein Sieg ist.
Disziplin ist brutal – im Training, in der Selbstüberwindung, im täglichen Kampf gegen die Bequemlichkeit.
Aber Reue ist brutaler. Die Reue, es nicht versucht zu haben. Die Reue, die Tugenden der Jugend einfach aufgegeben zu haben. Die Reue, dem inneren Gegner kampflos das Feld überlassen zu haben.
Der Kreis schließt sich
Das alte Foto aus dem Garten ist mehr als eine Erinnerung – es ist eine Einladung. An uns alle. Die Grundhaltungen, die wir einmal entwickelt haben, können uns ein Leben lang begleiten. Wenn wir sie pflegen. Wenn wir ihnen treu bleiben. Wenn wir akzeptieren, dass sie sich verwandeln dürfen.
Die Kampfkunst von damals ist heute die Lebenskunst: Den inneren Kampf nicht zu scheuen. Die Bequemlichkeit als das zu erkennen, was sie ist – ein Gegner, der uns klein halten will. Und die Disziplin als das zu würdigen, was sie schon immer war – nicht Zwang, sondern Freiheit.
Fragen zum Nachdenken:
Wann hast du das letzte Mal gegen deine eigene Bequemlichkeit gekämpft? Wann warst du das letzte Mal ehrlich zu dir selbst, was deine Ausreden angeht? Welche Tugend aus deiner Jugend wartet darauf, transformiert zu werden?
Der Kampf geht weiter. Die Arena ist heute nur eine andere. Und der Gegner? Der war schon immer derselbe – wir selbst.
Lass dich nicht zerbrechen von der Reue, es nicht versucht zu haben.
Sei brutal diszipliniert zu dir selbst – in deinem eigenen Rhythmus, auf deine eigene Art.
Die Matte wartet. Egal ob in Erlangen, im eigenen Gym oder im übertragenen Sinne in deinem Leben.
Steig wieder ein. Kämpf weiter. Transform yourself.
Was sind deine Gedanken dazu? Welche Tugend aus deiner Jugend möchtest du heute wieder aufleben lassen? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

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